Eine Frau sitzt vor einem Schreibtisch. Sie telefoniert mit einem Handy während sie Dokumente liest.

EBM-Änderung Juli 2021

Pränataltest Rhesusfaktor D abrechnen

Ab dem 1. Juli 2021 können Ärzte für die Beratung und die Bestimmung des nicht invasiven Pränataltests Rhesus D (NIPT-RhD) neue Gebührenordnungspositionen (GOP) abrechnen. Hierzu werden für die Beratung die GOP 01788 und für die Laboruntersuchung die GOP 01869 in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen.

Die beiden neuen GOP 01788 und 01869 können Ärzte derzeit nur bei Einlingsschwangerschaften abrechnen. 

Beratung zum NIPT-RhD abrechnen

Ärzte rechnen für die Beratung nach dem Gendiagnostikgesetz (GenDG) zum NIPT-RhD gemäß Abschnitt C und Anlage 7 der Mutterschafts-Richtlinien (Mu-RL) die neue GOP 01788 ab. Ziel der Beratung vor einer vorgeburtlichen genetischen Untersuchung ist die eigenständige und informierte Entscheidung der Schwangeren. Als Hilfestellung für die Information der Schwangeren können Ärzte die Versicherteninformation „Welchen Nutzen hat die Bestimmung des Rhesusfaktors vor der Geburt?“ über die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) bestellen.

Die GOP 01788 wird in die Präambel der Kapitel 8 (Gynäkologie) und 11 (Humangenetik) EBM aufgenommen. Sie ist 9,34 Euro (84 Punkte) wert; bundeseinheitlicher Punktwert 2021 ist 11,1244 Cent. Ärzte können die GOP je vollendete fünf Minuten abrechnen – jedoch höchstens zweimal je Schwangerschaft. 

Ärzte, die die Schwangere vor und nach Durchführung des NIPT-RhD genetisch beraten, müssen über eine Qualifikation für diese Beratung gemäß GenDG und den Richtlinien der Gendiagnostik-Kommission verfügen.

Die GOP 01788 dürfen folgende Fachgruppen abrechnen:

  • Gynäkologen mit der Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung (die fachgebundene Qualifikation umfasst 72 Fortbildungseinheiten und die dazugehörigen zehn praktisch-kommunikativen Qualifizierungsmaßnahmen. Hiervon unberührt bleiben Gynäkologen, die ihre Bescheinigung „fachgebundene genetische Beratung“ beispielsweise im Rahmen einer Übergangsregelung bis zum 10. Juli 2016 erworben haben)
  • Humangenetiker
  • Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Medizinische Genetik

Gynäkologen, die die Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung besitzen, bestätigen dies der KVH in ihrer Quartalserklärung. Die Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung im Kontext vorgeburtlicher Risikoabklärung ist für eine vorgeburtliche genetische Untersuchung wie einen NIPT nicht ausreichend.

Gynäkologen, die eine „Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung“ erwerben möchten, finden Informationen zu Kursen beispielsweise beim Berufsverband der Frauenärzte

Laboruntersuchung zum NIPT-RhD veranlassen

Ärzte veranlassen die Laboruntersuchung bei Rhesus-negativen Schwangeren an fetaler DNA aus mütterlichem Blut frühestens ab der zwölften Schwangerschaftswoche. Die vorgeburtliche Rhesusfaktorbestimmung ermöglicht eine gezielte Prophylaxe nur für Schwangere, die ein Rhesus-positives Kind erwarten, denn nur bei diesen besteht das Risiko einer Sensibilisierung der Mutter.

Laboruntersuchung zum NIPT-RhD abrechnen

Für die pränatale Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors D können Ärzte die neue GOP 01869 abrechnen. Dabei müssen Ärzte ein validiertes Testverfahren anwenden, das die in den Mutterschafts-Richtlinien festgelegten Testgütekriterien entspricht.

Die GOP 01869 ist 100,68 Euro (905 Punkte) wert; bundeseinheitlicher Punktwert 2021 ist 11,1244 Cent. Ärzte können sie einmal je Schwangerschaft und höchstens zweimal im Krankheitsfall abrechnen.

Für die Laboruntersuchung wird die GOP 01869 in den Abschnitt 1.7.4 EBM aufgenommen. Die neue GOP 01869 können nur Ärzte erbringen, die aus Kapitel 11 (Humangenetik) und 12 (Labor) EBM abrechnen. Um die neue GOP 01869 abzurechnen, benötigen diese Ärzte eine Genehmigung der KVH nach der Qualitätssicherungsvereinbarung Speziallabor. Fachärzte, die aus Kapitel 11 und 12 abrechnen und bereits über eine Genehmigung für das Speziallabor (Abschnitt 1.7.4 EBM) verfügen, können die neue GOP 01869 ohne neuen Antrag automatisch abrechnen.

Weitere Infos

Mit Beschluss vom 20. August 2020 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Mu-RL geändert. Jeder Rhesus-negativen Schwangeren soll danach die Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors an fetaler DNA aus mütterlichem Blut angeboten werden. Bisher erhalten alle Rhesus-negativen Schwangeren eine Anti-D-Prophylaxe in der Schwangerschaft. Die vorgeburtliche Rhesusfaktorbestimmung ermöglicht nun eine gezielte Prophylaxe nur für Schwangere, die ein Rhesus-positives Kind erwarten, denn nur bei diesen besteht das Risiko einer Sensibilisierung der Mutter. Die medizinisch unnötige Gabe von Blutprodukten (Anti-D-Immunglobulin) an Rhesus-negative Schwangere, die ein Rhesus-negatives Kind erwarten, kann somit vermieden werden. Das sind etwa 40 Prozent.

zuletzt aktualisiert am: 05.07.2021

EBM-Begriffe verstehen

Zu speziellen Begriffen im EBM haben unsere Mitglieder immer wieder Fragen. Die KVH hat kurz und knapp in einer Übersicht zusammengefasst, was sie bedeuten.

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7777
ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

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