Eine Frau sitzt vor einem Schreibtisch. Sie telefoniert mit einem Handy während sie Dokumente liest. © kupicoo

EBM-Änderung Juli 2022

Pränataltest Trisomie abrechnen

 Ab dem 1. Juli 2022 können Ärztinnen und Ärzte neu für die Beratung sowie die Laboruntersuchung zum nicht invasiven Pränataltest (NIPT) zur Bestimmung des Risikos autosomaler Trisomien 13, 18 und 21 die Gebührenordnungspositionen (GOP) 01789, 01790 und 01870 abrechnen. Für die Beratung werden die GOP 01789 und 01790 in den Abschnitt 1.7.4 im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen und für die Laboruntersuchung die GOP 01870.

Beratung zum NIPT Trisomie abrechnen

Ärztinnen und Ärzte rechnen für die Beratung nach dem Gendiagnostikgesetz (GenDG) zum NIPT zur Bestimmung des Risikos autosomaler Trisomien 13, 18 und 21 nach Abschnitt B und Anlage 8 der Mutterschafts-Richtlinien (Mu-RL) die neue GOP 01789 ab. Für die Beratung bei Vorliegen eines positiven NIPT können sie die neue GOP 01790 abrechnen.

Die erste Beratung vor Durchführung der Untersuchung beziehungsweise nach Vorliegen eines positiven Testergebnisses führen sie im persönlichen Gespräch durch. 

Eine gegebenenfalls erforderliche Folgeberatung können sie auch im Rahmen einer Videosprechstunde gemäß Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag – Ärzte (BMV-Ä) durchführen. Dann kennzeichnen sie in der Abrechnung die GOP 01789 und 01790 mit dem Suffix „V“ (01789V und 01790V).

Für die Abrechnung benötigen Ärztinnen und Ärzte einen zertifizierten Videodienstanbieter. Diesen melden sie der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) ganz einfach über das Formular "zertifizierten Videodienstanbieter melden".

Die Schwangere und ihre Ärztin oder ihr Arzt entscheiden gemeinsam, ob der Test für Sie sinnvoll ist. Das hängt vor allem von der persönlichen Situation ab.

Die Aufklärung und Beratung vor den Pränataltests findet ergebnisoffen statt und dienen dem Ziel einer eigenständigen informierten Entscheidung der Schwangeren. Die Bedeutung der Untersuchungsergebnisse ist in verständlicher Form zu erläutern. Die möglichen Folgen einer Entscheidung für diesen Test sind in die Beratung einzubeziehen. Insbesondere ist das jederzeitige Recht auf Nichtwissen, auch für Teilergebnisse des NIPT, zu betonen. Im Zusammenhang mit der Fragestellung Trisomie geben Ärztinnen und Ärzte den Hinweis, dass es die Möglichkeit gibt, über die entsprechenden Selbsthilfeorganisationen oder Behindertenverbände mit betroffenen Familien Kontakt aufzunehmen.

Voraussetzung für die NIPT-Untersuchung ist das Vorliegen des sonografisch bestimmten Gestationsalters und die Kenntnis der Anzahl der Embryonen oder Feten.

Zur Unterstützung der Beratung zu Untersuchungen auf Trisomie 13, 18 oder 21 verwenden Ärztinnen und Ärzte die Versicherteninformation (Anlage 8) der Mu-RL. Aufgrund der hohen Nachfrage können Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) die Versicherteninformation seit dem 15. Juli 2022 entweder bei der Rieco Gruppe im Webshop oder per Fax über den Bestellschein bestellen (vormals über die KVH).

Die GOP 01789 und 01790 dürfen folgende Fachgruppen abrechnen:

  • Gynäkologinnen und Gynäkologen mit der Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung (gemäß Gendiagnostikgesetz und Richtlinie der Gendiagnostikkommission)
  • Humangenetikerinnen und Humangenetiker
  • Ärztinnen und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Medizinische Genetik

Gynäkologinnen und Gynäkologen, die die Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung besitzen, bestätigen dies der KVH ab dem Quartal 3/2022 in ihrer Quartalserklärung. Die Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung im Kontext vorgeburtlicher Risikoabklärung ist für eine vorgeburtliche genetische Untersuchung wie einen NIPT nicht ausreichend.

Gynäkologinnen und Gynäkologen, die eine „Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung“ erwerben möchten, finden Informationen zu Kursen beispielsweise über den Berufsverband der Frauenärzte.

Laboruntersuchung zum NIPT Trisomie veranlassen

Ärztinnen und Ärzte veranlassen die Laboruntersuchung zur pränatalen Untersuchung fetaler DNA aus mütterlichem Blut auf das Vorliegen einer Trisomie 13, 18 oder 21 gemäß den Vorgaben der Mu-RL mit dem Ziel der Vermeidung von invasiven Maßnahmen (Fruchtwasseruntersuchungen nach Gewinnung des Fruchtwassers durch Amniozentese oder transzervikale Gewinnung von Chorionzottengewebe oder transabdominale Gewinnung von Plazentagewebe).

Voraussetzung für die Untersuchung ist das Vorliegen des sonografisch bestimmten Gestationsalters und die Kenntnis der Anzahl der Embryonen oder Feten. Es handelt sich nicht um eine Screening-Untersuchung. Der Pränataltest kann dann durchgeführt werden, wenn er geboten ist, um der Schwangeren eine Auseinandersetzung mit ihrer individuellen Situation hinsichtlich des Vorliegens einer Trisomie im Rahmen der ärztlichen Begleitung zu ermöglichen. Eine statistisch erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Trisomie allein reicht für die Anwendung dieses Tests nicht aus.

Laboruntersuchung zum NIPT Trisomie abrechnen

Für die pränatale Untersuchung fetaler DNA aus mütterlichem Blut auf das Vorliegen einer Trisomie 13, 18 oder 21 können Ärztinnen und Ärzte die neue GOP 01870 abrechnen. Dabei müssen sie ein validiertes Testverfahren anwenden, das die in den Mu-RL festgelegten Testgütekriterien entspricht.Die neue GOP 01870 können nur Fachärztinnen und Fachärzte für Humangenetik oder Laboratoriumsmedizin abrechnen.

    zuletzt aktualisiert am: 18.07.2022

    EBM-Begriffe verstehen

    Zu speziellen Begriffen im EBM haben unsere Mitglieder immer wieder Fragen. Die KVH hat kurz und knapp in einer Übersicht zusammengefasst, was sie bedeuten.

    Ansprechpartner

    EBM-Hotline

    Kassenärztliche Vereinigung Hessen

    Europa-Allee 90
    60486 Frankfurt

    Tel 069 24741-7777
    ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

    Ihre Downloads ()

    Ihre gesammelten Downloads können Sie jetzt komfortabel mit einem Klick herunterladen.

    Alle herunterladen