EBM-Änderung 1. September 2019

HIV-Präexpositionsprophylaxe abrechnen

Ab dem 1. September 2019 können Ärzte die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) abrechnen. Dazu gibt es neue Leistungen im EBM, die extrabudgetär vergütet werden sollen. Ärzte beraten Versicherte ab 16 Jahren mit einem erhöhten HIV-Risiko zur HIV-Prävention und zur medikamentösen Präexpositionsprophylaxe, führen die erforderlichen Untersuchungen durch und verordnen Arzneimittel.

Wer kann die neuen Leistungen beanspruchen?

  • Männer, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben oder Transgender-Personen, die angeben, analen Geschlechtsverkehr ohne Kondom zu haben
  • HIV-negative Personen mit einem HIV-positiven Partner
  • drogensüchtige Personen, die keine sterilen Injektionsmaterialien gebrauchen
  • Personen, die mit jemandem Geschlechtsverkehr haben, bei dem eine nicht diagnostizierte HIV-Infektion wahrscheinlich ist (zum Beispiel einem Partner aus Hochprävalenzländern oder mit risikoreichen Sexualpraktiken)

Der neue Abschnitt 1.7.8 „HIV-Präexpositionsprophylaxe“ umfasst neben Laborleistungen drei neue Gebührenordnungspositionen (GOP) zur Beratung und Behandlung von Versicherten – hauptsächlich für Ärzte, die in HIV-Schwerpunktpraxen tätig sind. Auch Hausärzte, Internisten, Kinder- und Jugendmediziner, Gynäkologen, Urologen und Hautärzte können die Leistungen unter bestimmten Voraussetzungen abrechnen.

 

GOPKurzbeschreibungHinweisBewertung
01920Beratung vor Beginn einer HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP)

persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt, Prüfung der Indikation zur PrEP, Beratung zur Prävention und Transmission von HIV und anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen, Notwendigkeit der Kombination mit anderen Präventionsmaßnahmen, Risiko einer Resistenzentwicklung unter PrEP bei unerkannter HIV-Infektion […]

je vollendete 10 Minuten, höchstens dreimal im Krankheitsfall, am Tag nicht neben GOP 01922
12,45 Euro* (115 Punkte)
01921Einleitung einer HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP)

persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt, Überprüfung des HIV- und Hepatitis-B-Status, Indikationsstellung zur PrEP einschließlich Prüfung der Kontraindikationen, Auswahl und Verordnung geeigneter Arzneimittel zur PrEP

einmal im Krankheitsfall, am Tag nicht neben GOP 01922
12,45 Euro (115 Punkte)
01922Kontrolle im Rahmen einer HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP)

persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt, Überprüfung der Indikation zur PrEP einschließlich Prüfung der Kontraindikationen, Überprüfung des HIV-Status, Kontrolle und/oder Behandlung gegebenenfalls aufgetretener therapiebedingter Neben- und Wechselwirkungen

je vollendete fünf Minuten, frühestens vier Wochen nach Einleitung einer PrEP, höchstens dreimal im Behandlungsfall, am Tag nicht neben GOP 01920 und 01921
6,17 Euro
(57 Punkte)

*gemäß bundeseinheitlichem Orientierungspunktwert 2019 (10,8226 Cent)

Fachärzte für Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Urologie oder Haut- und Geschlechtskrankheiten dürfen die GOP 01920 bis 01922 abrechnen, wenn sie eine Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) nach der Anlage 33 Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä)  haben.

Laborleistungen zur HIV-Präexpositionsprophylaxe abrechnen

Für die HIV-Präexpositionsprophylaxe gibt es sieben neue GOP im EBM.

GOPKurzbeschreibungHinweisBewertung
01930Bestimmung des Kreatinin im Serum und/oder Plasma und Berechnung der eGFR im Rahmen einer Präexpositionspositionsprophylaxe (PrEP)zweimal im Krankheitsfall, nicht neben den GOP 32066 und 320670,32 Euro*
(3 Punkte)
01931Nachweis von HIV-1- und HIV-2-Antikörpern und von HIV-p24-Antigen im Rahmen einer Präexpositionsprophylaxe (PrEP)einmal im Behandlungsfall Ausnahme: im ersten Quartal zu Beginn einer PrEP bis zu zweimal im Behandlungsfall, nicht neben GOP 325754,44 Euro* (41 Punkte)
01932Nachweis von HBs-Antigen und HBc-Antikörpern vor Beginn einer Präexpositionsprophylaxe (PrEP)einmal im Krankheitsfall, nicht neben den GOP 32614 und 3278111,36 Euro* (105 Punkte)
01933Nachweis von HBs-Antikörpern vor Beginn einer Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ohne dokumentierte Impfung gegen Hepatitis Beinmal im Krankheitsfall, nicht neben GOP 326175,52 Euro* (51 Punkte)
01934

Nachweis von HCV-Antikörpern vor Beginn einer Präexpositionsprophylaxe oder während einer Präexpositionsprophylaxe (PrEP) nur bei seronegativen Anwendern

höchstens zweimal im Krankheitsfall, nicht neben GOP 326189,85 Euro* (91 Punkte)
01935Nachweis von Treponemenantikörpern mittels TPHA/TPPA-Test (Lues-Suchreaktion) und/oder Immunoassay nach individueller und situativer Risikoüberprüfung im Rahmen einer Präexpositionsprophylaxe (PrEP)einmal im Behandlungsfall, nicht neben GOP 325664,55 Euro* (42 Punkte)
01936Nachweis von Neisseria gonorrhoeae und/oder Chlamydien in pharyngealen, anorektalen und/oder genitalen Abstrichen mittels Nukleinsäureamplifikationsverfahren (NAT) nach individueller und situativer Risikoüberprüfung im Rahmen einer Präexpositionsprophylaxe (PrEP) gegebenenfalls  einschließlich Pooling der Materialien der Abstrichorteeinmal im Behandlungsfall, nicht neben den GOP 32836 und 3283934,63 Euro* (320 Punkte)

*gemäß bundeseinheitlichem Orientierungspunktwert 2019 (10,8226 Cent)

  • Ärzte dürfen die neuen GOP 01931 bis 01936 nur abrechnen, wenn sie eine Genehmigung der KVH nach der Qualitätssicherungsvereinbarung Spezial-Labor haben.
  • Die GOP 01930 können Ärzte ohne eine Genehmigung abrechnen.
  • Labore, die in Zusammenhang mit der HIV-Präexpositionsprophylaxe beauftragt werden, rechnen die GOP 01700 „Grundpauschale für Laborärzte für die Erbringung von Laborleistungen“ ab.

Mehr Infos zur HIV-Präexpositionsprophylaxe

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) haben eine Vereinbarung über die HIV-Präexpositionsprophylaxe zur Prävention einer HIV-Infektion als Anlage 33 zum BMV-Ä beschlossen. Damit haben sie eine Vorgabe aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) fristgerecht umgesetzt. Mit dem TSVG hat der Gesetzgeber festgelegt, dass Arzneimittel zur Vorbeugung einer Infektion mit dem HI-Virus für Menschen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden (§ 20j SGB V). So haben gesunde Menschen mit HIV-Infektionsrisiko (§ 2 Anlage 33 BMV-Ä) Anspruch auf ein Medikament, das die Vermehrung von HIV im Körper verhindert. Ergänzend zur Vereinbarung über die HIV-Präexpositionsprophylaxe hat der Bewertungsausschuss zum 1. September 2019 die Vergütung über den EBM festgelegt.

zuletzt aktualisiert am: 23.08.2019

Qualifizieren Sie sich

Die KVH bietet ihren Mitgliedern im Oktober 2019 eine dreistündige „PrEP-Qualifizierung“ mit vorheriger Selbstlernphase: Jetzt bequem online anmelden.

Mehr neue Leistungen

Bei den EBM-Änderungen zum 1. Oktober 2019 informieren wir Ärzte über weitere neue kurative Laborleistungen zur HIV. Neu ist die GOP 32850 für den diagnostischen Nukleinsäurenachweis von HIV-RNA. 

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7777
ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

Ihre Downloads ()

Ihre gesammelten Downloads können Sie jetzt komfortabel mit einem Klick herunterladen.

Alle herunterladen