EBM-Änderung 15. Juni 2020

Corona-Warn-App: Leistungen abrechnen

Seit Mitte Juni 2020 steht eine Corona-Warn-App Patienten zur freiwilligen Nutzung zur Verfügung. Kommen Patienten nach einer Warnung durch die Corona-Warn-App in die Praxis, können Ärzte neue Leistungen aus dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) abrechnen, wenn sie Laboruntersuchungen erbringen oder veranlassen. Die neuen Gebührenordnungspositionen (GOP) gelten ab dem 15. Juni 2020 und sind bis zum 31. März 2021 befristet.

Die neuen GOP im Zusammenhang mit der Warnung durch die Corona-Warn-App umfassen die Veranlassung des Labortests auf Corona sowie GOP im Rahmen der Laboruntersuchung. Es wird zudem ein neues Formular 10 C dafür geben, wenn Ärzte Laborleistungen speziell zur SARS-CoV-2-Testung veranlassen.

Die neuen Leistungen können Ärzte nur im Zusammenhang mit der Benachrichtigung über ein „erhöhtes Risiko“ der neuen Corona-Warn-App abrechnen, wenn der Patient sie direkt aufsucht.

Leistungen zur Corona-Warn-App überblicken

Laboruntersuchung veranlassen
GOPKurzbeschreibungPunkte/Wert
02402

Zusatzpauschale im Zusammenhang mit GOP 32811.

Abstrichentnahme aus den oberen Atemwegen für die Untersuchung auf das beta-Coronavirus SARS-CoV-2 und/oder Gespräch im Zusammenhang mit einer möglichen Testung (neu aufgenommen im Beschluss aus der 505 Sitzung des Bewertungsausschusses)

einmal am Behandlungstag
10,00 Euro* (91 Punkte)

Laboruntersuchung durchführen

GOPKurzbeschreibungPunkte/Wert
12221

Zuschlag zur GOP 32811

für Fachärzte für Laboratoriumsmedizin sowie Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie

je Auftragsleistung nach der GOP 32811 berechnungsfähig
1,54 Euro* (14 Punkte)
32811

Nukleinsäurenachweis des beta-Coronavirus SARS-CoV-2

Untersuchung von Material der oberen Atemwege ausschließlich nach einer Warnung durch die Corona-Warn-App ab.

einmal am Behandlungstag berechnungsfähig

Die Bewertung der GOP 32811 entspricht der Bewertung der kurativen Leistung nach der GOP 32816 (ab dem 1. Juli 2020)
39,40 Euro
40101

Kostenpauschale als Zuschlag zur GOP 32811

zur Vergütung der Kosten für Versandmaterial, für die Versendung beziehungsweise den Transport des Untersuchungsmaterials und die Übermittlung des Untersuchungsergebnisses.

einmal am Behandlungstag
2,60 Euro

*gemäß bundeseinheitlichem Orientierungspunktwert 2020 (10,9871 Cent)

Die vier neuen Leistungen (GOP 02402, 12221, 32811 und 40101) zur Corona-Warn-App sollen extrabudgetär vergütet werden.

Durch den Warnhinweis der Corona-Warn-App liegt ein Krankheitsverdacht vor. Ärzte können somit einen Abstrich entnehmen und einen Test im Labor veranlassen. Für die Entnahme des Körpermaterials rechnen sie die neue GOP 02402 ab. Die neue GOP 02402 können sie auch für ein Gespräch im Zusammenhang mit einer möglichen Testung auf eine beta-Coronavirus SARS-CoV-2 Infektion abrechnen, wenn der Patient nach einer Warnung durch die Corona-Warn-App in die Praxis kommt. Das hat der Bewertungsausschuss nachträglich in der 505. Sitzung entschieden. Sie verlassen die Laboruntersuchung auf dem neuen Vordruck Muster 10 C. Bis zur Veröffentlichung des Vordrucks verwenden sie das Muster 10 und geben im Feld „Auftrag“ explizit die GOP 32811 an.

Das neue Laborformular Muster 10 C können Ärzte perspektivisch über die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) bestellen. Informationen hierzu werden schnellstmöglich für Ärzte bereitgestellt.

Bei der Testentnahme geben veranlassende Ärzte den ICD-Kode U99.0! G – Spezielle Verfahren zur Untersuchung auf SARS-CoV2 – zusammen mit dem ICD-Kode Z11 G – Spezielle Verfahren zur Untersuchung auf infektiöse und parasitäre Krankheiten – in der Abrechnung an. 

Bei negativem Testergebnis bleibt die Kodierung erhalten. Bei positivem Testergebnis geben Ärzte U07.1.G – COVID-19, Virus nachgewiesen zusammen mit Z22.8 G – Keimträger sonstiger Infektionskrankheiten als ICD-Kodes in der Abrechnung an. Zusätzlich können sie Z20.8 G – Kontakt mit und Exposition gegenüber sonstigen übertragbaren Krankheiten – angeben, um abzubilden, dass es sich um eine Kontaktperson handelt.

Ärzte geben die Kennnummer 32006 (Erkrankung mit gesetzlicher Meldepflicht) in ihrer Abrechnung an, wenn sie die Laborunmtersuchung veranlassen. Über Kennnummern werden bestimmte Laborleistungen von der Anrechnung auf die Kosten der erbrachten, bezogenen und veranlassten Laboruntersuchungen befreit. Der Wirtschaftlichkeitsbonus (WiBo) auf diesen Fällen bleibt erhalten.

Kurative Abstriche bei Patienten mit Symptomen sind weiterhin Teil der Versicherten- beziehungsweise der Grundpauschale.

Fachärzte für Laboratoriumsmedizin sowie Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie können die Laboruntersuchung auf Corona nach einer Warnung durch die Corona-Warn-App durchführen und hierfür die neue GOP 32811 aus dem Spezial-Labor abrechen. Je Auftrag können sie zudem die neue GOP 12221 als Zuschlag zur GOP 32811 abrechnen.

Mit dem Beschluss erfolgt eine Änderung der Abrechnungsbestimmung der GOP 12220, dass die Berechnung für die neue GOP 32811 ausgeschlossen ist. Anstelle der Grundpauschale GOP 12220 rechnen Ärzte die neue GOP 12221 in diesen Fällen ab.

Wenn Ärzte die GOP 32811 abrechnen, benötigen sie eine Genehmigung nach der Qualitätssicherungsvereinbarung Spezial-Labor. Ärzte, die bereits eine Genehmigung zur Abrechnung Speziallabor-Leistungen für den Unterabschnitt 32.3.12 EBM besitzen, dürfen die neue GOP 32811 automatisch abrechnen ohne einen Antrag zu stellen.

Die Kostenpauschale 40101 als Zuschlag zur Untersuchung (GOP 32811) rechnen Ärzte für den Transport und die Übermittlung des Untersuchungsergebnisses ab. 

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) ein smartphonebasiertes, auf Freiwilligkeit beruhendes elektronisches Warnsystem zur Eindämmung der Corona-Pandemie entwickelt, Corona-Warn-App genannt. Kontaktpersonen können, wenn sie die App anwenden, gewarnt werden, wenn sie sich in der Nähe einer erkrankten Person befunden haben. Die App wird im Fall eines Warnhinweises dem Nutzer empfehlen, sich an eine Einrichtung des öffentlichen Gesundheitsdienstes, die 116117 oder einen Arzt zu wenden.

Die Warnung durch die App dient lediglich als Hinweis, dass Betroffene einen Arzt konsultieren sollten. Der Nutzer erhält zudem die Empfehlung, soziale Kontakte zu reduzieren. Ob er sich in häusliche Quarantäne begeben muss, legt das Gesundheitsamt fest. Die Entscheidung über eine Krankschreibung trifft der behandelnde Arzt.

zuletzt aktualisiert am: 26.06.2020

EBM-Begriffe verstehen

Zu speziellen Begriffen im EBM haben unsere Mitglieder immer wieder Fragen. Die KVH hat kurz und knapp in einer Übersicht zusammengefasst, was sie bedeuten.

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

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