Liste II. "Psychodynamische Liste" - Vorstellung

Liste 2
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Vom 1. bis 29. Oktober wird die Vertreterversammlung der KVH neu gewählt.
In den vergangenen Jahren haben sich die Strukturen der medizinischen Versorgung verändert und sie werden sich vermutlich weiter verändern, so dass Krankenbehandlung nicht mehr ein Gut der Daseinsvorsorge ist, sondern zu einem Produkt gesundheitsindustrieller Produktion mutiert.
An die Stelle gesellschaftlicher Daseinsfürsorge tritt die zunehmende Privatisierung der Krankenversorgung, bei der es primär um größtmögliche Kosteneffektivität geht. Angesichts dessen sind z.B. die Qualitätsstandards der Profession sowie nachhaltig wirksame Behandlungsansätze mit Mehrjahresperspektiven erschwert. Das Modell eines "Gesundheitsmarktes" muss u.E. scheitern, da es das Ideal eines mündigen, freien, gesunden "Kunden" voraussetzt. Die Ausnahmesituation von Krankheit wird verleugnet - nämlich als Patient angewiesen, abhängig und ratsuchend zu sein.
Die kassenärztlichen Vereinigungen, ehemals als Organ der ärztlichen Selbstverwaltung gegründet, werden parallel dazu im Sinne industrieller Managementmethoden umgestaltet. Dabei wird übersehen, dass nicht die Selbstverwaltungsstruktur an sich, sondern die Lobbypolitik dieses System zu untergraben droht.
Selbstverständlich muss sich die Verwendung der finanziellen Mittel in der vertragsärztlichen Versorgung der volks- und betriebswirtschaftlichen Überprüfung stellen und Kriterien von Wirtschaftlichkeit und Nutzenbewertung beachten. Die anvisierte Regulierung durch den so genannten (Gesundheits-)Markt kann die ordnungspolitischen Aufgaben jedoch nicht erfüllen, die im Rahmen der medizinischen Versorgung als Daseinsfürsorge erforderlich sind. Besonders "die Güter" der Krankenbehandlung bedürfen fachlicher und gesellschaftspolitischer Rahmensetzung, und Gleichsetzungen von Patienten mit Kunden, Ärzten und Psychotherapeuten mit "Anbietern" sind verfehlt.
Psychotherapie, Psychosomatik und Psychiatrie sind als Formen der individualisierten /personengebundenen Medizin von diesen Änderungen am meisten betroffen. Zu den Rahmenbedingungen dieser Tätigkeit gehört wesentlich die Wertschätzung und Honorierung der nur in der verlässlichen persönlichen Beziehung zwischen Arzt/Psychotherapeut und Patient möglichen Behandlung. Gerade auf diesem Feld konnte in den nun zehnjährigen Auseinandersetzungen vieles erreicht werden, das wir - trotz der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen - bewahren und verbessern wollen.
Die Psychotherapie, wie sie in den Psychotherapierichtlinien seit 1967 definiert ist, und andere Formen psychotherapeutischer, psychosomatischer, psychiatrischer Langzeitbehandlung geraten zunehmend unter Druck und sind durch gesundheitspolitische und strukturelle Eingriffe bedroht. Die psychotherapeutische Situation, die über diese Richtlinien noch geschützt ist, droht durch weitere Eingriffe als selbstverständliche Behandlungsbedingung eingeschränkt und destabilisiert zu werden:
- Die Richtlinienverfahren der Psychotherapie werden zurzeit durch den Gemeinsamen Bundesausschuss überprüft. Dabei stehen besonders alle Langzeitbehandlungen auf dem Prüfstand, ihre Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit unter Beweis zu stellen.
- Die aktuelle Debatte um Versorgungsengpässe in der psychotherapeutischen Versorgung wird genutzt, um hierdurch jegliche Form von Langzeittherapien unter Legitimationsdruck zu setzen. Die fehlenden finanziellen Mittel für den gestiegenen Bedarf an Psychotherapie sollen auf Kosten der Qualität der Behandlungen und der Behandler eingespart werden.
- Für die medizinische Versorgung geht es in den nächsten Jahren insgesamt um die Frage, ob unser beziehungsorientiertes, individualisiertes Modell der Heilbehandlung ausschließlich in Psychotherapie, Psychosomatik, Psychiatrie das behandlungsleitende Paradigma bleibt oder ob auch die somatische Medizin einen ganzheitlichen Zugang zum Patienten sucht.
Die Restrukturierungsmaßnahmen der KVH treffen besonders Psychotherapeuten, denn die spezifischen Gegebenheiten und Erfordernisse einer psychotherapeutischen Praxis wurden bei diesen Restrukturierungen nicht berücksichtigt und sind weder fachlich noch personell ausreichend in der KV repräsentiert. Die Interessen der ca 3000 psychotherapeutisch tätigen PP, KJP und (Fach-)Ärzte finden nicht ausreichend Gehör und werden kaum entscheidungsrelevant.
Wir fordern und treten ein:
- für eine entscheidungsrelevante fachliche Vertretung der Psychotherapeuten im Hauptausschuss und im Vorstand;
- für eine medizinische und psychotherapeutische Versorgung, die - auch angesichts knapper finanzieller Ressourcen - primär fachlichen Kriterien folgt;
- für eine solidarische kollektivvertragliche Krankenbehandlung, die nicht den Regelungsmechanismen des freien Marktes unterworfen ist, sondern in fachliche, gesundheits- und sozialpolitische Rahmensetzungen eingebunden bliebt;
- dafür, dass Psychotherapie in den Gremien der K(B)V, des GBA sowie in der öffentlichen Diskussion sachkundig vertreten wird, um die Qualität der Psychotherapie und die damit verbundene Honorierung auf qualitativ hohem Niveau zu verteidigen und zu erhalten;
- für Qualitätssicherung und -management, das sich an fachlichen und verfahrensspezifischen Kriterien der Psychotherapie ausrichtet und nicht an den Effizienzkriterien der Apparatemedizin und großer Versorgungszentren;
- für die Anerkennung und Beibehaltung der eigenständigen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie gemäß PsychThG und plädieren daher auch für eine gesonderte sozialrechtliche Zulassung im Rahmen der KV und für deren eigenständige Vertretung in den Gremien der KV;
- für die Weiterentwicklung sektorübergreifender Versorgungsstrukturen nicht im Sinne selektierender Konkurrenz, sondern fachlicher Kooperation von PP, KJP, Fach- und Hausärzten.
Wir bitten Sie um Ihr Vertrauen und Ihre Stimme für diese Politik!
Kandidaten der Psychodynamischen Liste (die komplette Liste finden Sie über diesen Link)
Platz 1 Platz 2

Wolfgang Schwerd Dr. Ulrich Müller
Platz 3 Platz 3

Christa Leiendecker Sabine Eckert
Platz 5

Berd Dechert














