Blockade-Politik der Kassen bei HZV-Verträgen schädigt den Medizin-Standort Hessen
Frankfurt, 04. Januar 2012 - Die Entscheidung für oder gegen eine Niederlassung junger Mediziner ist eng verknüpft mit den Rahmenbedingungen in einem Bundesland. In Hessen wächst nach Ansicht der KV-Vorstandsvorsitzenden der Standortnachteil, denn hier gibt es fast keine Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung (HZV). Dies stößt bei ihnen auf Unverständnis: „HZV-Verträge sind eine wichtige Wahlmöglichkeit für die Patienten, die in anderen Bundesländern gerne genutzt werden“, erklärten Frank-Rüdiger Zimmeck und Dr. med. Gerd W. Zimmermann, „die meisten hessischen Krankenkassen enthalten ihren Patienten diese Wahlmöglichkeit jedoch vor.“
Für die Hausärzte bedeuten HZV-Verträge, dass sie sich intensiver um ihre Patienten kümmern können und diese Betreuung auch angemessener vergütet wird. Insofern dürfe man sich nicht wundern, wenn sich junge Ärztinnen und Ärzte gegen eine Niederlassung in Hessen entscheiden und stattdessen z. B. nach Bayern oder Baden-Württemberg gehen, warnten die Vorstände.
Wie erfolgreich HZV-Verträge sein können, zeigt ein Beispiel aus Hessen: 2008 evaluierte das AQUA-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen den HZV-Vertrag von KVH und Ersatzkassen und kam zu dem Ergebnis, dass die hausarztzentrierte Versorgung in Hessen aus Sicht von Patienten und Ärzten zu einer besseren Koordinierung der Versorgung geführt hatte. „Warum alle Ersatzkassen inzwischen diesen erfolgreichen Vertrag gekündigt haben, können wir bis heute nicht nachvollziehen“, so die beiden KVH-Vorsitzenden.
Einzig der BKK-Landesverband als großer Verbund von Betriebskrankenkassen hält an seinem HZV-Vertrag in Hessen fest. „Daran sollten sich die anderen großen Kassen ein Beispiel nehmen, denn wer den Ärztemangel wirklich bekämpfen will, muss für attraktive Rahmenbedingungen sorgen“, stellten Zimmeck und Dr. Zimmermann fest, „die Blockade-Politik der meisten hessischen Krankenkassen schädigt da nur.“
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