Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) - Infektion durch Zecken. Risikogebiete in Hessen
Zecken und ihre Verbreitung
Stand: Mai 2010
Im Frühling beginnt die Aktivität der Zecken und somit auch die Gefahr für Menschen, sich beim Aufenthalt in der Natur mit durch Zeckenbisse übertragbaren Krankheiten, beispielsweise mit FSME (Frühsommer - Meningoenzephalitis) oder Lyme-Borreliose, zu infizieren. Witterungsbedingt unterschiedlich betrifft dies hierzulande die Zeit von März bis November. Jahreszeitliche Erkrankungshäufungen kommen im Frühsommer vor (Mai bis Juli) mit einem zweiten Gipfel im Oktober.
Während gegen Borreliose, die von bakteriellen Erregern verursacht wird, in der Bundesrepublik sowie dem übrigen Europa noch kein Impfstoff verfügbar ist und die Behandlung üblicherweise mit Antibiotika erfolgt, besteht gegen die Viruserkrankung FSME die Möglichkeit eines Impfschutzes. Diese sollte man wahrnehmen, wenn man in einem Risikogebiet lebt oder sich dort vorübergehend, bespielsweise im Urlaub, aufhält.
In Deutschland sind entsprechend dem vom Robert-Koch-Institut veröffentlichten Epidemiologischen Bulletin Nr. 17 vom 3. Mai 2010 von FSME vor allem folgende 136 Risikogebiete betroffen:
- große Teile Bayerns, 78 Kreise, davon wurden drei Kreis neu aufgenommen;
- Baden-Württemberg nahezu vollständig (42 Kreise, davon ein neu ausgewiesener)
- in Hessen 8 Landkreise
- 7 Kreise in Thüringen
- 1 Kreis in Rheinland-Pfalz
Was ist ein Risikogebiet? Definition des Robert-Koch-Instituts
Das Robert-Koch-Instituts definiert Risikogebiete für FSME-Erkrankung wie folgt:
"Als FSME-Risikogebiete werden Endemiegebiete der FSME deklariert, in denen für personen mit Zeckenexposition ein Erkrankungsrisiko besteht, das nach einer Übereinkunft mit Experten präventive Maßnahmen begründet."
Noch ausführlichere Informationen erhalten Sie über den Link zur Quelle auf der Website des Robert-Koch-Instituts:
Epidemiologisches Bulletin 17, Mai 2010
FSME-Infektion
Zecken sind Blut- und Gewebesaft saugende Parasiten, die im Rahmen der Blutmahlzeit auch Krankheitserreger von einem Wirt auf den anderen übertragen können. Kaum sind sie aus dem Ei geschlüpft, werden sie als Larven zu Blutsaugern und bedienen sich bei Kleinsäugern wie etwa Mäusen. Auf kleinen Pflanzen sitzend, lauern sie ihnen auf.
Auch die nach dem Verdauen der Blutmahlzeit entstehenden und auf Gräsern aufzufinden Nymphen ernähren sich von Blut, mit dem Unterschied, dass sie es meist auf größere Säugetiere wie Katzen, Hunde oder Hasen abgesehen haben.
Wenn dieser zweite Teil der Entwicklung abgeschlossen ist, reifen die Nymphen schließlich zu "adulten" Zecken heran und setzen sich im Fell großer Säugetiere fest. Sind dies Kühe, Ziegen oder Schafe, droht diesen Wirten in der Regel keine Gefahr. Kommt den Zecken aber ein Mensch in die Quere, kann diese Begegnung weniger schön ausgehen.
FSME-Impfung
Die FSME-Impfung ist zwar nicht bei Reisen in Tropen und Subtropen von Bedeutung, kann dies aber in vielen Regionen Europas und auch innerhalb Deutschlands sein. Die durch Zeckenstich übertragene Infektion verläuft sehr unterschiedlich. Je älter der Patient, desto schwerer sind im Allgemeinen die Krankheitsverläufe. Nur bei 30 bis 40 Prozent der Infizierten kommt es überhaupt zu Krankheitszeichen, meist grippeähnlichen Symptomen. Bei etwa zehn Prozent dieser Erkrankten sind in einer zweiten Krankheitsphase das zentrale Nervensystem, die Leber oder das Myokard beteiligt. Die schwerste Form ist die Enzephalitis, die bei etwa 10 Prozent der Betroffenen bleibende Lähmungen hinterlässt und bei etwa einem Prozent der Erkrankten zum Tode führt.
Die Impfung besteht - je nach Impfstoff - aus zwei Injektionen im Abstand von zwei (bzw. vier) bis 12 Wochen sowie einer dritten Impfung nach weiteren neun bis 12 Monaten. Wiederimpfungen sollen nach diesem Langzeitschema möglichst nach drei, spätestens nach 5 Jahren erfolgen.
Weiterhin besteht die Möglichkeit einer schnellen Immunisierung durch ein verkürztes Impfschema mit dem Impfstoff Encepur, was beispielsweise bei einer kurzfristigen Reise in ein Risikogebiet sinnvoll sein kann. Hierbei erfolgt die zweite Impfung nach 7, die dritte nach 21 Tagen.
Die FSME-Impfung kann aus drei Gründen nötig werden:
Der Patient
- lebt in einem Risikogebiet, etwa entlang des Oberrheins oder der Donau;
- will in einem inländischen Risikogebiet/Endemiegebiet Urlaub machen
bzw. hält sich aus anderen Gründen (z. B. privaten oder beruflichen) dort auf; - reist in eine ausländisches Endemiegebiet, zum Beispiel in Österreich oder Ungarn
In
den ersten beiden Fällen ist die Impfung eine GKV-Leistung.
In den ersten beiden Fällen ist die Impfung eine GKV-Leistung.
Die Leistungspflicht der GKV besteht inzwischen auch, wenn der Versicherte mit Wohnort in einem nicht als Risikogebiet definierten Teil Deutschlands in einem inländischen Risikogebiet seinen Urlaub verbringt.
Die Impfung wird als Leistung der GKV EBM-Ziffer 89011 abgerechnet.
Im letzten Fall handelt es sich um einen Auslandsaufenthalt. Damit ist die Impfung Privatsache und Beratung und Impfung wird nach GOÄ abgerechnet(gesetzliche Regelung). Auch der Impfstoff ist vom Versicherten selbst zu bezahlen, also auf Privatrezept zu verordnen.
Ebenfalls nicht von der GKV übernommen werden Impfungen, für die andere Kostenträger
(z. B. der Arbeitgeber) zuständig sind.
FSME-Impfung bei Kindern
Für die Impfung von Kindern unter 3 Jahren wird eine besonders sorgfältige Indikationsstellung empfohlen! Bitte lesen Sie auch die Impfempfehlungen der STIKO zu diesem Thema! (siehe Links am Ende der Seite!)
In der Regel erkranken immunologisch völlig unauffällige Personen. Der einzige Trend, der bislang erkennbar ist, ist auch von manch anderer Infektionskrankheit bekannt: Je älter der infizierte Patient, um so schwerer ist der Verlauf. Natürlich ereilt die FSME in erster Linie beruflich exponierte Personen wie Waldarbeiter und Förster oder Landwirte und natürlich die Freizeitaktivisten, die gerne sommerlich bekleidet, durch den Wald laufen.
Zecken halten sich im Gras, auf Büschen und im Unterholz auf. Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung lassen sie sich nicht von Bäumen auf den Menschen fallen, sondern der Mensch streift sie beim Berühren der Büsche ab.
Die Risikogebiete dehnen sich langsam aber sicher aus. Grund ist sicher der Zeckentourismus durch Haustiere wie Hunde oder Katzen und der Wandertrieb wie zum Beispiel der Füchse. Auch Vögel transportieren Zecken im Kot über eine längere Strecke.
Vorsichtsmaßnahmen und Entfernung von Zecken
- Im Wald die Wege benutzen, nicht durch dichtes Unterholz gehen.
- Durch geschlossene, helle Kleidung Zeckenstiche vermeiden (geschlossene Schuhe, lange Strümpfe, lange Hosen, langärmliche Oberbekleidung). Ein Hut mit Krempe ist auch sehr nützlich.
- Einreiben mit insektenabwehrenden Mitteln. Das bietet zwar keinen absoluten Schutz, ist aber für ca. zwei Stunden hilfreich.
- Möglichst alle zwei Stunden, spätestens aber nach Beendigung des Aufenthaltes in einem Waldgebiet, Kleidung und Körper systematisch nach Zecken absuchen, besonders die behaarte Kopfhaut, Ohren, Hals-, Arm- und Kniebeugen sowie Hände und Füße.
- Schon festsitzende Zecken mit einer Pinzette direkt über der Haut fassen (nicht den Hinterleib quetschen!) und gerade herausziehen. Die Zecke nicht herausdrehen, denn der Kopf hat kein Gewinde. Auch die Zecke nicht mit Klebstoff, Öl einreiben. Denn alles, was den ungebetenen Gast zu Erbrechen reizt, erhöht das Infektionsrisiko.














