A.N.R. - Arzt-Notruf für die Region
Ansprechpartner:
Dr. med. Gert Schmidt
Franz-Schubert-Straße 4
35578 Wetzlar
Tel.: 06441/200887
Fax: 06441/200891
Integrierende Patientenversorgung in einer Region
Nach einer fast 2 jährigen Planungsphase läuft seit Oktober 1996 das Projekt offiziell mit dem übergeordneten Ziel, die Kommunikation, Kooperation und Koordination vor Ort zu verbessern. Als erstes konkretes Teilziel, wird an der Einrichtung einer inte-grierten Notrufzentrale mit kreisweit einheitlicher Telefonnummer und ärztlicher Primärabfrage gearbeitet. Das übergeordnete Ziel des Projektes haben wir bereits erreicht. Der Dialog der Partner in der Versorgungsregion findet statt. Es wurden und werden zahlreiche Foren mit Patienten und den Partnern in der Region durchgeführt. Was fehlt ist die Schaffung des konkreten gemeinsamen Arbeitsraumes von Rettungsdienst, KH-Ärzten und Vertragsärzten in der integrierten Notrufzentrale.
Der aktuelle Inhalt des Gesamtprojektes gliedert sich z. Zt. in 4 Arbeitsbereiche, die ineinandergreifen
1 ) "A.N.R.-konkret" - Integrierende Patientenversorgung am Beispiel der ambulanten Akutversorgung in einer ländlichen Region. ( siehe unten ) - Als Modellprojekt konzipiert finden Verhandlungen mit allen Krankenkassenverbänden in Hessen und dem hessischen Sozialministerium statt. Verantwortlicher Verhandlungsführer ist die KV-Hessen.
2 ) "BuS" ( Bürger und System ) - Der informierte Patient im Gesundheitssystem - Dialogstudie in Zusammenarbeit mit einem Forschungsteam ( Studenten der Uni-Witten/Herdecke- der Firma dhs München und dem center organisational learning (COL) am MIT in Boston) Am 28.4.1999 wurde uns die wissenschaftliche Dokumentation des bisherigen Pro-zesses "A.N.R" im Rahmen einer Diplomarbeit vorgelegt mit dem Titel: Anatomie eines Transformationsprozesses im Gesundheitswesen Die Welt durch die Augen der Patienten sehen lernen - "PatientenDialogForum" ( März 1999 ) - "Bürgerforum Gesundheit Lahn-Dill" ( April 1999 von Patienten und Ärzten initiiert mit dem Ziel, den Informationsfluß transparenter zu gestalten und den Dialog zwischen Patient und Arzt innerhalb der Gesundheitsregion zu verbessern ). Seit dem 1.9.1999 firmiert das Forum als Verein.
3 ) "Regionalgespräch Gesundheit Lahn-Dill" - Arbeitsplattform für die Partner in der Gesundheitsregion. Ziel: Gemeinsame Schwachstellenanalyse und Entwicklung zukunftsfähiger Versorgungskonzepte.
4 ) Regionales/überregionales interdisziplinäres "Forschungsteam" zur Weiterentwicklung und Begleitung von neuen Versorgungsformen in der Medizin.
- 1998: Patientendialogstudie (s.o)
- 1999 Diabetesdialogstudie in Zusammenarbeit mit der Firma SB-Pharma München.
A.N.R.-Lahn-Dill: Arzt-Notruf für die Region
Einleitung
Die Patientenversorgung soll durch eine Förderung der Kommunikation und Kooperation unter den Ärzten effizienter gestaltet werden. Diese in letzter Zeit verstärkt formulierte Zielsetzung ist sehr komplex. Sie überrascht zudem, da Ärzte vor Ort sich seit Jahren darum bemü-hen. In einzelnen Gruppen wurden bereits große Fortschritte erzielt. Die Verständigung zwi-schen den Versorgungsbereichen scheitert jedoch noch oft an fehlorganisierten Schnittstellen.
Eine klassische Schnittstelle in der Kommunikationskette "Medizinische Versorgung" ist der Notruf. Der Notfall ist für den Patienten ein sehr konkreter Anlaß zum Gespräch: "Ich habe Fieber, Schmerzen, Luftnot - wo kann ich einen Arzt erreichen?"
Die Einrichtung einer zentralen Notdienstpraxis ist in einem Flächenkreis nicht möglich. Das Einrichten einer einheitlichen Notrufnummer für die ambulante ärztliche Versorgung und einer arztbesetzten Notrufzentrale, die der Rettungsleitstelle direkt angegliedert wird, soll Kommunikations- und Koordinationsprobleme lösen helfen. Durch die offene Diskussion dieses Themas vor Ort ist in der Region Lahn-Dill in Hessen ein konstruktiver Dialog zwischen den Versorgungsbereichen entstanden. Die in der Region für die Notfallversorgung verantwortlichen Partner arbeiten seit 1995 gemeinsam an dem Modellprojekt. Es gilt unter anderem, die Frage zu beantworten, ob unter Einsatz notdiensterfahrener Vertrags- und Krankenhausärzte bei der Primärabfrage und Koordination von ambulanten Notdienstein-sätzen in einer ländlichen Region die Qualität der Versorgung weiter verbessert werden kann und Kosten für fehlgesteuerte Untersuchungen eingespart werden können.
Die Konzeption A.N.R.
Die Grundidee
Die Notfallversorgung ist ein klassischer Kooperationsbereich in der Medizin: von Laienhilfe bis hin zur Intensivmedizin muß alles Hand in Hand ( verzahnt ) geschehen, um ein möglichst gutes Versorgungsergebnis zu erreichen.
Es bestehen hier viele funktionierende Arbeitsbeziehungen ( sog. informelle Netze ), die sich als Bausteine für weiterführende Kooperationen im Bereich der Medizin anbieten.
Als ein klassisches Beispiel für die Nutzung von Synergieeffekten kann der Aufbau eines gemeinsam getragenen Notrufsystemes dienen : zur Organisation der Notfallversorgung hält jede Versorgungseinheit ihr eigenes Notrufsystem parat und dies 24 Stunden am Tag. Diese Funktion kann eine gemeinsam getragene Notrufzentrale effizienter übernehmen.
Das partnerschaftliche Entwickeln und die täglich gelebte Zusammenarbeit wirkt zudem integrativ ( " Integratives Notrufzentrum " ). Rettungsdienst, Vertrags- und Krankenhausärzte tragen und gestalten einen gemeinsamen Arbeitsplatz im Gesundheitssystem. Dies ist eine Herausforderung, es kann auch eine Chance sein.
A.N.R.-Lahn-Dill - Arzt-Notruf für die Region setzt sich konkret zusammen aus:
A.N.R.-Zentrale : Der Startpunkt
Kommunikations- und Koordinationszentrum im Rahmen eines Notrufsystemes für die ambulante Versorgung mit folgenden Leistungsmerkmalen:
- einheitliche Rufnummer für die vertragsärztliche Notdienstversorgung (0800-1140114)
- Notrufmittelpunkt ist an 365 Tagen 24 h mit Rettungsassistenten besetzt.
- In der Zeit, in denen die Praxen geschlossen haben, übernimmt zusätzlich ein erfahrener Vertrags- oder Krankenhausarzt aus der Region die Primärabfrage, gibt erste Anweisungen und koordiniert für den Patienten und seine Angehörigen alle weiteren Versorgungsmaßnahmen. - Er führt keine direkte Patientenbehandlung durch.
- Organisatorische und räumliche Zusammenarbeit mit der Rettungsleitstelle des Kreises durch gemeinsamen Einsatz von Fachpersonal und Technik.
A.N.R.-Kooperationssystem: Die weiteren Entwicklungsstufen
a ) Die bisherigen kollegialen und NFD-Vertretungskreise bleiben in nur gering modifizierter Form bestehen.
b ) Es findet eine regionale Gliederung des ländlichen Einzugsbereiches von ca. 300.000 Bürgern in 13 Bezirke statt. Von der Zentrale werden der 1. und der 2. Notfalldienst sowie ein fachärztlicher Telefondienst gesteuert. Die NFD-Einheiten bestehen aus 10 - 20 Ärzten für Allgemeinmedizin und Innere Medizin.
c ) Die begonnene Moderatoren- und Dialogschulung soll intensiviert werden, um die Arbeit der bereits bestehenden regionalen haus-, gebietsärztlich und sowie fachübergreifend arbeitenden Projektgruppen noch effizienter zu gestalten. - Diese Einheiten sind die Mosaiksteine eines regionalen Verbundsystemes : Vor Ort wird über die Entwicklung zukunftsfähiger Formen der Zusammenarbeit entschieden.
d ) Nach einer Sammel- und Gewöhnungsphase sollen die gewonnenen persönlichen und technischen Erfahrungen in den Aufbau weiterer Kooperationsformen auch außerhalb der Notfallversorgung einfließen.
Die Perspektive
Die strenge organisatorische Trennung von Versorgungsbereichen und die Budgetrahmen-bedingungen haben zu einer fortschreitenden Zergliederung des Gesundheitssystemes geführt mit der Konsequenz, daß zwar jeder die Abläufe in seinem Bereich optimiert. Eine ge-meinsame Problemsicht und Problemlösung findet hingegen nur selten statt. Zu oft steht nicht mehr der Patient im Mittelpunkt von Bemühungen. Es muß vermehrt Zeit in die Einhaltung von Budgets investiert werden. Kreative Energie und Geld fließen fehl. Die Kosten des Gesamtsystemes steigen.
Kosten und Arbeitszeit können hingegen sinken, wenn Synergien genutzt werden. Dies gelingt natürlich nur, wenn die Partner zusammenarbeiten wollen.
Erleichtert wird diese Willensbildung, wenn die Verantwortungsbereiche in der Problem- und Ursacheninterpretation übereinstimmen. Ein fruchtbarer Prozeß kann entstehen, in dem partnerschaftlich Lösungsstrategien entwickelt und an deren Umsetzung gemeinsam gearbeitet wird ( unsere Definition von Managed Care ).
Der Notruf des Patienten und das Bemühen der einzelnen Versorgungsbereiche, ihn kompetent zu beantworten und die Kranken zügig einer medizinisch indizierten Versorgung zuzuführen, stellt eine Herausforderung an die Leistungsfähigkeit eines Gesundheitssystemes dar. Diese Aufgabe regional zu lösen, ist das konkrete gemeinsam getragene Ziel der Partner im Lahn-Dill-Kreis.
Die in den letzten 3 Jahren gewonnenen Erfahrungen in die Entwicklung von Kooperationsformen auch außerhalb der Notfallversorgung einfließen zu lassen, ist das übergeordnete Ziel.














